Drei Tage lang verwandelte sich unser Bauernhof in Wurmbrand in einen Ort der Begegnung: im Sommercamp in der Natur, in der Gemeinschaft und mit unseren Tieren.

 

Als die Kinder am Freitagvormittag ankamen, lag eine besondere Erwartung in der Luft. Zelt einräumen, die anderen Teilnehmenden kennenlernen, die ersten Kontakte zu unseren Tieren knüpfen – der Prozess des Ankommens ist bei uns immer der erste Schritt in das Abenteuer „Sommercamp“.

Es geht darum, den Alltag hinter sich zu lassen, die digitale Welt gegen echtes, haptisches Erleben einzutauschen und sich voll und ganz auf das Hier und Jetzt einzulassen.

 

 

Die Natur als Lehrmeisterin

 

Was macht ein Sommercamp eigentlich so besonders? Ist es die Abwesenheit von Altbekannten oder die Fülle an Möglichkeiten? Bei uns ist es die Verbindung. Am Freitag starteten wir direkt in die Natur: Ribisel pflücken, um Saft daraus zu kochen und beim Arbeiten mit Ton spüren, wie Erde unter den Fingern zu Form wird.

Der Spaziergang zum Fluss „Zwettl“ war nicht nur eine Abkühlung, sondern eine Lektion in Sachen Achtsamkeit: Steine sammeln, Herrenpilze entdecken und einfach nur den Fluss der Natur beobachten. Die Begegnung mit dem bunten Pfau unserer Nachbarn auf der Brücke war für alle ein Highlight.

Der Samstag vertiefte diese Erfahrungen. Eierschwammerl suchen erfordert Geduld und einen wachen Blick. Unsere Tiere – von den Ziegen bis zu den Pferden – fordern von den Kindern eine Kommunikation, die jenseits von Worten funktioniert. In unserem Sommercamp lernen die Kinder, dass Respekt und Verantwortung keine abstrakten Begriffe sind, sondern gelebte Praxis beim Füttern und den Begegnungen mit den Tieren, aber auch untereinander pflegen wir hier einen respektvollen Ton und die Offenheit, dass jedeR genau richtig ist, so wie er/sie ist.

Die Schnitzeljagd am Nachmittag brachte dann die nötige Portion Spiel und Dynamik, bevor wir den Abend mit dem Basteln von Natur-Traumfängern und bei Fackelschein ausklingen ließen.

 

Gemeinschaft, die trägt

 

Einer der schönsten Momente unseres Sommercamps war zweifellos die gemeinsamen Mahlzeiten und die kulinarische Vielfalt.

Ein besonderes Highlight war der persische Reis, den eine Teilnehmerin gemeinsam mit uns kochte – eine wertvolle Bereicherung, die zeigte, wie kulturelle Vielfalt das Miteinander bereichern kann. Beim Genießen des Essens entstanden Gespräche, die im Alltag oft zu kurz kommen.

Auch die Herausforderungen gehören dazu. Als uns am Sonntag das Unwetter überraschte, rückten wir noch enger zusammen. Das Naturmandala, das wir gemeinsam legten, war ein kraftvoller Ausdruck dieser Verbundenheit. Es ist ein Symbol für das, was wir in diesen drei Tagen aufgebaut haben: ein Netz aus Erlebnissen, Vertrauen und bleibenden Erinnerungen.

 

Mehr als nur Betreuung

 

Das Ziel unseres Sommercamps ist es, den Kindern einen Raum zu bieten, in dem sie sich ausprobieren und wachsen können. Das Anmalen unserer Lerntrainingsstute Mori mit Fingerfarben oder das Führen oder Reiten durch den gemeinsam aufgebauten Parcours sind Momente, in denen Ängste in Begeisterung umschlagen und Selbstvertrauen entsteht.

Zwischen all den Aktivitäten gab es im Sommercamp immer wieder bewusste Pausen, die Raum für Kreativität und das eigene Tempo schufen. Ob beim Zeichnen der Tonfiguren oder kunstvoll gestalteten Zeichnungen oder beim Lauschen der Geräusche im Wald: die Kinder erlebten, dass Kreativität kein Ziel ist, sondern ein ständiger Begleiter. Diese Momente der Stille gaben ihnen die Möglichkeit, das Erlebte zu verarbeiten und das Vertrauen in die eigene Intuition zu stärken. Es ist diese feine Balance aus Aktion und Ruhe, die den Aufenthalt im Waldviertel so nachhaltig und wertvoll macht.

Die Collagen, die wir am Ende erstellten, waren nicht nur ein Rückblick, sondern eine Zusammenfassung dessen, was das Lern- und Seminarzentrum „Zur kleinen Seidlerei“ ausmacht: Wir lernen, wir staunen, wir gestalten.

Ein Sommercamp, wie wir es hier leben, wirkt lange nach. Es sind die leisen Töne, das Knistern des Fackelscheins und das gemeinsame Lachen, die bleiben. Wir freuen uns, dass wir diese Tage teilen durften und blicken voller Dankbarkeit auf die mutigen jungen Entdecker zurück, die unser Sommercamp zu dem gemacht haben, was es war: ein unvergessliches Stück Lebensqualität.